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Erinnerungskultur 2.0 in Zeiten von Corona – der 9. November

Ein Aktionstag in der Klasse 10 anlässlich des Gedenkens an den 09. November

Trotz der Pandemie und widrigen Umstände realisierten die Schüler*innen der Klassen 10 gemeinsam mit ihren Geschichtslehrern Herrn Siebert, Herrn Römer und Herrn Mallm zum Gedenken an den 09. November als zentralem Datum der deutschen Geschichte ein kleines innovatives Erinnerungsprojekt. Dabei war die leitende Frage, wie ein lebendiges Erinnern und eine Begegnung mit der sehr wechselhaften, widersprüchlichen Geschichte dieses Datums zwischen Demokratie und Abgründen des nationalsozialistischen Zivilisationsbruchs ohne gemeinschaftliches Erinnern und persönliche Begegnung gehen kann. Schnell wurde klar, dass ein digitales Format und somit ein digitales Gemeinschaftsprodukt entstehen sollte, das eine gemeinsame Erinnerung und Beschäftigung mit dem Thema für die gesamte Schulgemeinde möglich machen sollte.

So produzierten die jeweiligen Klassen mit Unterstützung ihrer Geschichtslehrer sowie Herrn Peter,  Herrn Engel und Herrn Workert kleine ca. dreiminütige Filmclips im youtube-Format, in denen sie sich intensiv mit einem Ereignis der deutschen Geschichte am 09. November auseinandersetzten. Die kleinen Filmclips thematisieren die demokratische Revolution und  Gründung der Weimarer Republik 1918, den Hitlerputsch 1923, die Pogromnacht 1938 sowie die friedliche Revolution und den Mauerfall 1989. Die Filmbeiträge und Erklärvideos richten sich gezielt an Schüler*innen und stellen Bezüge zur Kasseler Region und zu unserer Gegenwart her. Mit großem Engagement, echtem Interesse, technischem Knowhow und dem gebotenen Sicherheitsabstand machten sich die Schülerinnen und Schüler an die Arbeit.

Die eindrucksvollen Schüler*innenarbeiten sind ein sprechendes Zeugnis dafür, wie eine moderne, schüler*innenorientierte Erinnerungskultur am Friedrichsgymnasium aussehen kann: Erinnern als persönliche Anteilnahme und Beteiligung, als Aneignung der Vergangenheit, als Deutung des Geschehenen im Licht und der Form der Gegenwart und vor dem Horizont einer (hoffentlich besseren) Zukunft.

So schlagen die Filmclips einen Bogen zu den Worten des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier anlässlich des 100jährigen Gedenkens an die Gründung der Weimarer Republik am 09. November 1918, die heute aktueller klingen denn je:

„ Erinnerung kann den Blick schärfen für neue Anfechtungen (der Demokratie): Und die gibt es gewiss: Wir brauchen die Erinnerung. Auch deshalb ist heute ein wichtiger Tag. Der 09. November kann Orientierung geben – ja-, aber keine Eindeutigkeit. Man kann diese Bundesrepublik nicht begründen ohne die Katastrophe zweier Weltkriege, ohne das Menschheitsverbrechen der Shoah. Sie sind unverrückbarer Teil unserer Identität. Man kann unser Land nicht begründen ohne die weit verzweigten Wurzeln von Demokratie- und Freiheitsbestrebungen, die es gab. Es ist schwer, beides im Herzen zu tragen. Wir können uns der historischen Verantwortung für den Zivilisationsbruch bewusst sein, ohne uns die Freude über das zu verweigern, was geglückt ist in diesem Land. (..) Ein demokratischer Patriotismus ist kein wohliges Ruhekissen, sondern ein beständiger Ansporn. Ein Ansporn für alle, die nicht sagen: Die beste Zeit liegt hinter uns, sondern die sagen: Wir wollen und wir können die Zukunft besser machen. Das ist die Zuversicht des Demokraten – und das sollte unsere Haltung sein!“

Und das … in Zeiten von Corona.

Ein ganz herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, die zum Gelingen dieses lebendigen Gedenktages beigetragen haben! Besonders unseren sehr engagierten Schüler*innen!

MAL

  • Doppelte Ausrufung der Weimarer Republik9. November 191807:25
  • Hitler-Putsch9. November 192305:15
  • Mauerfall9. November 198902:24
  • Mauerfallin Kassel02:05

Ein Video zur Pogromnacht vom 09. November 1938 ist noch in Arbeit und wird in Kürze ergänzt.

Interviews mit Zeitzeugen zum Mauerfall am 9. November 1989

 

Bilder vom Set