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Versöhnung über den Gräbern

Deutsche, englische und französische Jugendliche reichen sich heute an dem Ort die Hände, an dem sich vor über hundert Jahren deutsche, englische und französische Soldaten noch an verhärteten Fronten in Schützengräben gegenüberlagen und bekämpften. Dieses starkes Zeichen der Versöhnung und Verständigung setzten in der vergangenen Woche Oberstufenschüler des Friedrichsgymnasiums Kassel gemeinsam mit Fußballjugendspielern von Schalke 04, Hertha BSC sowie der englischen Fußballclubs FC Southampton und FC Liverpool und mit französischen und belgischen Jugendspielern, als sie in Belgien die Gräber von ehemaligen Friedrichsgymnasiasten und Fußballspielern der genannten Vereine besuchten, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Den Rahmen bildete ein vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Kooperation mit der britischen Premier League anlässlich des einhundertsten Jahrestages des Endes des Ersten Weltkrieges initiiertes internationale Gedenkprojekt unter dem Titel „Football remembers“. Dabei planten und gestalteten die Jugendlichen in gemischten internationalen Gruppen verschiedene Gedenkzeremonien und erinnerten beispielhaft an Einzelschicksale damaliger Fußballstars, deren hoffnungsvolle Karrieren unmittelbar vor Kriegsbeginn an ihrem Anfang standen und ein jähes Ende in den Materialschlachten der Westfront fanden. Im Vorfeld hatten sich die Schülerinnen und Schüler des Friedrichsgymnasiums unter Anleitung ihrer Geschichtslehrer René Mallm und Arndt Kleesiek bereits intensiv mit den Biographien ehemaliger Fridericianer sowie der Spieler von Hertha BSC auseinandergesetzt und in Archiven in Kassel, Berlin und München zu diesen recherchiert. Ausgangspunkt dieser Spurensuche waren dabei die Inschriften am Gefallenendenkmal des Friedrichsgymnasium, neben teils vielfältigen, teils spärlichen biographischen Informationen über die ehemaligen Schüler konnten mithilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Grablagen auf den vom Volksbund betreuten Gräbern in Flandern und Frankreich ermittelt werden, so dass sich auf besondere Weise ein Kreis schloss und die Tragik der Einzelschicksale der gleichaltrigen Schüler eindrucksvoll nachvollziehbar wurde.

Den Abschluss der Belgienreise bildete der Besuch des Christmas Truce Memorial, das an den Ort erinnert, an dem am ersten Weihnachtsfeiertag 1914 englische, französische und deutsche Soldaten die Waffen für einen besinnlichen Moment ruhen ließen und gemeinsam Weihnachten feierten und Fußball spielten.

Neben einem von den Profis der Hertha BSC signierten Fußball aus den Händen der begeisterten Herthaner nahmen die Schülerinnen und Schüler vor allem viele lehrreiche Erfahrungen und Erkenntnisse aus Belgien mit nachhause.

Am 18. November 2018 werden die Jugendlichen dann Gelegenheit haben, von ihren Erkenntnissen im Bundestag in Berlin im Rahmen der zentralen Gedenkstunde anlässlich des Volkstrauertages zu berichten: der großen Bedeutung eines friedlichen geeinten Europas, dem hohen Stellenwert der Erinnerung und der integrativen Wirkung des Fußballs.

MAL

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