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Rapper Ben Salomo diskutiert mit Schülern über Antisemitismus

Kassel – In seinem neuen Song gibt er die Richtung klar vor: „Sie sagen mir: „Gewöhn dich dran, wenn wieder Nazis marschier’n/ Die Menschen jede Warnung ignorier’n“/ gewöhn dich dran, wenn sich Migranten weiter radikalisier’n/Und den Hass multiplizier’n/ doch ich bin nicht bereit, ihre falsche Toleranz zu akzeptier’n“.

Sich an den langsam zunehmenden Antisemitismus und an Fremdenfeindlichkeit zu gewöhnen sei keine Alternative, und Schweigen könne als Zustimmung gedeutet werden. Ben Salomo will deshalb ein aktives Dagegen-Vorgehen und Eintreten für Menschenwürde.

Er ist bei den Schülern bekannt und für viele ein Star: der Rapper Ben Salomo aus Berlin besuchte gestern das Friedrichsgymnasium und anschließend die Jacob-Grimm-Schule, wo er sein Programm “Clapforcrap – Deine Antwort auf Diskriminierung und Intoleranz“ in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Naumann-Stiftung präsentierte.

Nachdem er über zwei Stunden lang eine Performance gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit abgeliefert, bestürzende Erfahrungen aus seinem eigenen Leben erzählt und viele Fragen beantwortet hatte, gab es als Zugabe einen frenetisch gefeierten Rap-Song. Noch danach hingen die Jugendlichen an seinen Lippen, wollten den charismatischen Rapper nicht gehen lassen, bestürmten ihn mit Fragen, machten Selfies mit ihm.

Die meisten kennen Ben Salomo aus dem Youtube-Kanal. Dort wurde seine Veranstaltung „Rap am Mittwoch“ im Berliner Cub BiNuu Jahre lang ausgestrahlt, hatte eine halbe Million Abonnenten und wurde im Monat zwei Millionen mal angeklickt.

Dann zog Ben Salomo einen Schlussstrich. Weil sich in der Rap-Szene zunehmend Antisemitismus, Rassismus, Homophobie und Frauenverachtung breit machten, gab er seine Veranstaltung, die er als „The Voice of Rap“ bezeichnete, auf und widmet sich fortan der Aufklärung und Mobilisierung, um eben gegen jene menschenverachtenden Phänomene vorzugehen.

In seinem Auftritt spricht Ben Salomo die Schüler direkt an. Er fragt: Wer war schon mal von Diskriminierung betroffen? Dann zählt er einige kursierende Verschwörungstheorien auf, die direkt antisemitisch sind, und von denen manche von Rappern in ihren Songs verwendet werden. Wer hat diese Verschwörungstheorien schon mal gehört?, fragt er nach und nach ab. Viele Finger gehen hoch. Auch die Rapper Kollegah, Haftbefehl und Co, die zuletzt mit antisemtischen Texten aufgefallen waren, wurden thematisiert.

Es war deutlich zu spüren: Der Rede- und Informationsbedarf unter den Schülern war groß. „Ich möchte mit euch einen Pakt schließen“, sagte Ben Salomo zum Schluss: Hört nicht weg, wenn Lügen und Gerüchte über Juden und andere geäußert werden, mischt euch ein. Es ist wichtig, dass wir alle Aktivisten werden.“

Quelle: HNA, 06.03.2020

Autorin: Chr. Hein