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Philhellenia IV. am FG: 19. September 2012

Philhellenia IV. am 19.9.2012 bei uns am Friedrichsgymnasium: „Heureka – Naturwissenschaften und Technik in der griechischen Antike“

Philhellenia
Im zweijährigen Turnus findet an einem der altsprachlichen Gymnasien Hessens ein Treffen mit Vorträgen, Workshops und Präsentationen statt, genannt Philhellenia, welches für alle Schülerinnen und Schüler, die Altgriechisch erlernen, erdacht worden ist, um Lehrende und Lernende über die Unterrichtsarbeit hinaus in einen wissenschaftlich-künstlerischen Austausch schulübergreifend treten zu lassen.

Dieses Jahr werden wir, das Friedrichsgymnasium, Gastgeber sein und ungefähr 350 Jugendliche aus ganz Hessen erwarten. Das Thema der Philhellenia, „Heureka – Naturwissenschaften und Technik in der griechischen Antike“, will darauf weisen, dass wir zwar täglich mit den naturwissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen der griechischen Antike umgehen (z.B. Satz des Pythagoras, Euklidische Geometrie, Archimedisches Auftriebsgesetz), aber nur vage Kenntnisse über die gesellschaftlichen und individuellen Entstehungsbedingungen des wissenschaftlichen Denkens in Griechenland sowie über die zahlreichen Entdeckungen selbst (annähernd genaue Berechnung des Erdumfangs durch Erathosthenes; das heliozentrische Weltbild des Mathematikers und Astronomen Aristarch von Samos, zu Recht „Copernicus graecus“ genannt) besitzen.

Um diese bedauerliche Lücke zu schließen (letztlich ist die Spurensuche nach den Anfängen des menschlichen wissenschaftlichen Denkens ein wesentlicher Inhalt des Griechischunterrichts), werden nun 23 verschiedene Workshops angeboten werden. Diese sind meist von FG-Lehrern der Naturwissenschaften liebevoll vorbereitet worden (Herr Bärwolff: „Von Demokrits Atomlehre zur modernen Atomphysik“), und sie widmen sich vor allem der griechischen Mathematik (Frau Urstadt, Herr Zekl mit Corinna Kock), der Physik (Herr Meister, Herr Noll mit Hanna Braun und Susanne Klute), der Biologie (Frau Weber, Frau Pauly), der Geographie (Herr Steinfadt) und der griechischen Kriegstechnik (Herr Neumann). Aber auch die Olympischen Wettkampfdisziplinen (Frau Klute) sowie das griechische Theater (Frau Rehborn, Frau Dr. Friedrichs mit Anna Benner und Lucas Pfannkuche) werden – sogar mit Präsentationen – vertreten sein. Ein Workshop „Ekklesia und Ostrakismus-Scherbengericht in praxi“ (Herr Mallm, Herr Adami) simuliert die Mechanismen der athenischen Demokratie. Für eine besonders lebendige Nachahmung des antiken Wahlverfahrens – gewissermaßen das Herzstück der athenischen Demokratie – hat der Schüler Paul Ohlmeier mit seinem Großvater eine antike Losmaschine (Kleroterion) nach archäologischen Funden rekonstruiert und nachgebaut.

Das Besondere dieser Philhellenia ist, wie bereits an den genannten Namen zu erkennen ist, dass Schülerinnen und Schüler unserer Schule in hoher Eigenverantwortlichkeit an der inhaltlichen Konzeption und Vorbereitung der unterschiedlichsten Workshops mit beteiligt sind (ebenfalls zu nennen sind: griechische Epigraphik: Philipp Käse; die Anatomie und ihre griechische Nomenklatura: Maximilian Schulze).

Zwei Highlights des naturwissenschaftlich-technischen Sternenhimmels werden am FG ohnehin gewiss sein: Der Althistoriker Prof. Dr. em. Helmuth Schneider – er gehört zu den weltweit wenigen Spezialisten für die antike Technikgeschichte – wird einen einführenden Vortrag zur griechischen Technikgeschichte halten. Außerdem konnte unsere pensionierte Chefastronomin Frau Ingeborg Reuter den Frankfurter Professor für Astronomie, Prof. Dr. Bruno Deiß, gewinnen. Dieser wird über den antiken Computer von Antikythera referieren. Weitere Gäste werden Workshops anbieten, die Musikerin Frau Constanze Betzl (Staatstheater) zum Thema „Musik und Mathematik – Zufallskompositionen“, der Neurochirurg Herr Martin Fuhrhans „Hippokrates und die Medizin heute“ sowie der Kustos der Kasseler Antikensammlung Herr Prof. Dr. R. Splitter „Der Kasseler Stein“ – ein inschriftlicher Hymnus auf Heilgötter.

Das Friedrichsgymnasium ist das einzige Gymnasium Nordhessens, welches das Fach Altgriechisch anbietet. Durch diese Themenstellung wird die tiefe Verwurzelung der modernen Naturwissenschaften und Technik mit der griechischen Kultur, die den Beginn des naturwissenschaftlichen Denkens und systematischen Forschens markiert, zelebriert.

Grit Díaz de Arce