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Kretaaustausch vom 23.4.-30.04.2017 – Besuch bei Freunden in der südlichsten Stadt Europas

Sonne, Meer und gutes Essen – wer das im Sinn hat, wenn er an Kreta denkt, hat natürlich Recht. All das bietet Ierapetra in Hülle und Fülle. Was unsere zehn 9.-Klässler bei ihrem Gegenbesuch ihrer Partner vom 3. Gymnasium in Ierapetra erlebt haben, geht allerdings weit darüber hinaus. Nicht zuletzt liegt das an der persönlichen Beziehung zu unseren Austauschpartnern. War das erste Kennenlernen in Kassel im Februar nämlich noch ein Abenteuer, so war das Wiedersehen auf Kreta wie ein Besuch bei alten Freunden. So kamen auch jenseits des Programms keine Langeweile oder Heimweh auf. Jedes Essen aufzuzählen, würde den Text längen. Aber nicht nur die Koffer hatten auf dem Rückflug mehr Gewicht.

Das von Frau Maria Christaki und Frau Popi Zervelaki betreute Programm bot einen tieferen Einblick in die Lebenswirklichkeit Südeuropas als der Sommerurlaub es zulässt. Die Wirtschaft Kretas ist in einer Weise von Landwirtschaft geprägt, wie wir es hier kaum wahrnehmen. Aber der Besuch einer Firma, die in ihren Gewächshäusern Setzlinge für die Agrarindustrie produziert (die in alle Welt exportiert werden), und auch der Besuch der Naturkosmetikfirma „Bioaroma“ zeigten gut, wie die besonderen klimatischen Bedingungen der Insel genutzt werden. Beim Besuch der umweltpädagogischen Einrichtung KPE kamen beim Anblick eines exemplarisch präsentierten SMA-Wechselrichters überraschende Heimatgefühle auf!

Auch die Einblicke in die vielfältige Geschichte Kretas durch die Besichtigung z. B. der „Lepra-Insel“ Spinalonga oder der kaum ausgegrabenen Reste der imposanten Römerstadt „Ierapitna“ werden in Erinnerung bleiben. Verblüffend war auch der Besuch einer nahezu professionellen Theateraufführung der „Antigone“ durch Oberstufenschüler, die erkennen ließ, wie lebendig die uralte Theatertradition in der griechischen Kultur auch heute noch ist. Zur kretischen Tradition gehören auch die kretischen Tänze, von denen wir selbst einen lernen durften. Sie sind der Teil der Erinnerungskultur, denn jeder Tanz schöpft seine Bedeutung aus einer Verknüpfung mit konkreten Erinnerungen – leider oft auch an Fremdherrschaft und Krieg.

Nachhaltig beeindruckend war aber auch der Besuch eines Dokumentationszentrums zum Massaker in Viannos. Dort wurden im September 1943 durch die Wehrmacht insgesamt über 400 Zivilisten ermordet. Ein Mahnmal und eine Kapelle erinnern an die grausamen und bis heute nicht als solche anerkannten Verbrechen. Eine Präsentation durch Frau Eleni Savvaki machte schmerzhaft deutlich, was damals passiert ist. Die anschließend formulierten Forderungen nach Anerkennung der Verbrechen und angemessenen Reparationszahlungen durch Deutschland machten nachdenklich und zeigen, dass das deutsch-griechische Verhältnis komplizierter ist, als man gemeinhin denkt und als man im Umgang merkt.

Umso wertvoller erscheinen die gemeinsamen Momente des Lernens und Verstehens und erst recht die des Lachens und Genießens.

Wir bedanken uns bei allen Schülern, Eltern und Lehrern des 3. Gymnasiums in Ierapetra, die diese Erfahrungen möglich gemacht haben!

Wir freuen uns auf das Wiedersehen im nächsten Jahr!

DIS