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Israelabend – Rückblick auf eine eindrucksvolle Reise

Tel Aviv

Am Mittwoch, den 6. Juli ist die Mensa des Friedrichgymnasiums zu später Stunde noch geöffnet. Einem Beobachter dürfte aufgefallen sein, wie sehr sich das Erscheinungsbild des Raumes doch geändert hat: Die Tische sind zu Gruppen zusammengestellt, vorne sitzen 20 aufgeregte Schüler zusammen mit ihren Lehrern und beobachten gespannt, wie sich der Saal mit immer mehr Menschen füllt. Auch ist an der Seite ein kleines Buffet aufgebaut, welches erwartungsvolle Blicke auf sich zieht. Zudem ist die Mensa geschmückt worden: Wimpel der Partnerstadt Kassels in Israel, Ramat Gan, sind zu finden, genau so wie Karten und Flaggen des Landes Israel oder weitere Gegenstände, die aus dem Heiligen Land zu sein scheinen.

Schnell wird deutlich, dass die Schüler und Lehrer vorne wohl die Gruppe ist, die im Juni dieses Jahres das Heilige Land im Rahmen einer Studienfahrt kennen lernen durfte. Nun möchten sie den anwesenden Verwandten, Lehrern und Interessierten von den Erlebnissen ihrer Reise berichten.

Als Einleitung erfolgt eine musikalische Darbietung, die alle im Raum auf den Abend einstimmt. Nachfolgend beginnt der Schulleiter zu sprechen, begrüßt alle Anwesenden zu diesem Abend und spricht einige Dankesworte aus. Anschließend wird Herrn Mann das Wort erteilt, der die Gruppe, durch seine Erfahrung und sein Wissen, wie kein anderer durch das Land leiten konnte. Kurz fasst er die wichtigsten Stationen der Reise zusammen.

Nun dürfen die Schüler sprechen. Aus jeder Jahrgangsstufe tritt einer nach vorne und fasst, im Namen seiner Mitschüler zusammen, wie sich diese Israel vor Beginn der Reise vorgestellt haben. Dabei lässt sich erkennen, dass besonders die Geschichte und Konflikte des Landes im Blickpunkt standen.

Es folgt eine Fotopräsentation, die die schönsten Momente der Reise zusammenfassen sollte. An der Länge der Zeit, die der Vortrag einnimmt, kann man erkennen, dass es fast nur schöne und beeindruckende Momente während dieser Reise gab. Dies lässt sich auch daran erkennen, wie bereitwillig die Schüler zu jedem Bild erzählen und Emotion mit Informationen und auch Witz verbinden. Dadurch entsteht eine entspannte Atmosphäre, die einen wieder nach Israel zurückversetzt und auch den Zuhörern das Land näher bringt: Die vielseitige Bauhausführung durch Tel Aviv, das Treffen mit den Schülern der High School in Ramat Gan, der unbegreifliche Tag in Yad Vashem oder die Wanderung auf den Ölberg in Jerusalem.

Nach diesen Erläuterungen folgt eine Darstellung der Reiseerlebnisse in Form eines Films. Die bewegten Bilder können die Fahrt noch einmal in einen ganz anderen Rahmen zu spannen, als es bloße Fotographien vermögen. Israel wird in dieser Zeit noch einmal hautnah, da die verschiedenen Filmaufnahmen verschiedenste Momente und Situationen zeigen. Die Vielfältigkeit des Landes wie auch der Reise werden gezeigt. Besonders zu beachten ist dabei, in wie kurzer Zeit das Schneiden und Bearbeiten des Films geschafft wurde.

Nach diesen Eindrücken hat sich noch einmal gezeigt, was auch die Schüler am Ende ihrer Fahrt festgestellt haben: Israel ist anders, als man es sich hier in Deutschland vorstellen kann. Dies äußert sich in den Vorstellungen, die die Schüler nun nach ihrer Reise präsentieren. Nun stehen vor allem die Menschen im Land im Vordergrund, die der Gruppe so freundlich entgegengetreten sind und vor allem den Wunsch nach Frieden geäußert haben.

Zum Abschluss stimmt die Gruppe noch einmal den Kanon des Liedes „Shalom Chaverim“ an, den sie bereits am Ende der Reise gesungen hatten. Anschließend wird das Buffet eröffnet, welches mit seinen israelischen Speisen die Schüler, Lehrer und Gäste anlockt und mit großer Begeisterung gemeinsam verzehrt wird.

Mit diesem lockeren Ausklang des Abends verabschieden sich die Teilnehmer der Fahrt nach und nach, die Erinnerungen an die Fahrt noch im Kopf. Viele mit dem Wunsch, irgendwann noch einmal das Land Israel besuchen zu dürfen.

Jonas Vaupel, Jahrgangsstufe E2

„Nächstes Jahr in Jerusalem“ – Studienreise nach Israel

Tel Aviv, Ramat Gan und Jerusalem, das waren die Stationen einer Studienfahrt nach Israel, die 20 unserer Schülerinnen und Schüler vom 13. bis 20. Juni 2016 unternommen haben. Sie wurden begleitet von ihren Lehrern René Mallm und Bernd Stute sowie von dem erfahrenen Reiseleiter Frank Mann und Jutta Arbter von der Stadt Kassel. Die Reise war der Abschluss des von René Mallm betreuten Projektes „Zweimal Heimat – von Kassel nach Israel“. Über ein Jahr lang hatten die Projektteilnehmer aus der Oberstufe zuvor die Biographien von Kasseler Juden nachgezeichnet, die unter zum Teil abenteuerlichen Bedingungen zur Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft nach Israel ausgewandert waren. Eine im Rahmen der Projektarbeit entstandene Ausstellung ist im Kasseler Rathaus zum 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Kassel und Ramat Gan gezeigt worden.

„Das Projekt ist ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur, ohne die Verständigung nicht möglich ist“, sagt Projekleiter Mallm. „Die Schüler konnten dabei am konkreten Beispiel nachvollziehen, welches Unrecht den Kasseler Juden zur Zeit des Naziterrors angetan worden war, aber auch, wie sich einige der Verfolgten mit großer Entschlossenheit und mutig ein neues Leben in Israel aufgebaut haben.“ Ilse Felsenthal war eine von ihnen. 1935 nach Israel emigriert, gründete sie dort den „Verein ehemaliger Kasselaner in Israel“, dem zeitweise 120 Mitglieder angehörten. Bei ihrem Aufenthalt in Tel Aviv trafen die Schülerinnen und Schüler Ilses Tochter Gaby Felsenthal, die von ihrer Mutter, aber auch von ihrer eigenen Beziehung nach Kassel berichtete.

Die pulsierende Küstenmetropole Tel Aviv empfing die Reisegruppe mit sonnenheißen Temperaturen, lebendiger Urbanität und einem wohltuend kühlenden Bad im Mittelmeer. Modernität und Aufbruch zeigen sich vor allem bei einem Rundgang durch die von den Ideen des Bauhauses beeinflussten Vierteln, die ihnen den Beinamen „Weiße Stadt“ eingebracht haben. Die elegante Architektur mit klaren Formen, geschwungenen Linien und ausladenden Balkonen bezeugt den selbstbewussten Neuanfang vieler europäischer Juden in der erst 1909 gegründeten Stadt. Einen weitaus tieferen Blick in die Geschichte unternahm die Reisegruppe beim Besuch des Diasporamuseums, das die Geschichte des Judentums und seine weltweite „Zerstreuung“ seit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im 1. Jahrhundert dokumentiert.

Der Schwerpunkt der Studienfahrt lag auf den Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Besonders beeindruckend war diesbezüglich der Besuch der Blich-Highschool in Ramat Gan, bei dem es zu intensiven Gesprächen zwischen den Schülern kam. Nach einem gemeinsamen Basketballspiel traf man sich im Arbeitsraum der Bibliothek zum Gedankenaustausch. Vom üblichen Tagesablauf über die persönliche Sichtweise auf das andere Land bis hin zu aktuellen politischen Fragestellungen reichte die Bandbreite der Themen, die angesprochen wurden. „Es wäre wünschenswert, wenn sich die Kontakte nach Ramat Gan noch intensivieren ließen, etwa im Rahmen eines Schüleraustausches“, meint Schulleiter Dr. Lothar Schöppner.

Krönender Abschluss der Reise war der Aufenthalt in Jerusalem. Beim Besuch von Grabeskirche, Altstadt und Tempelberg konnten sich die Reiseteilnehmer ein Bild vom Nebeneinander der Religionen auf engstem Raum und von den tiefen historischen Wurzeln von Konflikt und Kooperation machen. In bester Lage auf dem Ölberg hatte der ehemalige FG-Schüler Kaiser Wilhelm II. nach seiner Palästinareise ein Krankenhaus und eine Kirche errichten lassen. Auf dem Gelände der Stiftung „Auguste-Victoria-Compound“ befindet sich auch das „Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes“, in dem die Gruppe einen Einblick in die archäologische Forschungsarbeit in Jerusalem bekam. Überhaupt hat Wilhelm II. in bedeutenden Kirchenbauten in oder am Rande der Jerusalemer Altstadt seine Spuren hinterlassen. Von der Atmosphäre der evangelischen Erlöserkirche in unmittelbarer Nachbarschaft zur Grabeskirche und von der katholischen Dormitio-Basilika auf dem Zionsberg konnten sich die Schüler und ihre Begleiter anlässlich eines Sonntagsgottesdienstes einen Eindruck verschaffen.

Ein ganzer Tag stand sodann für den Besuch der zentralen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zur Verfügung. „Für mich war dieser Tag besonders beeindruckend“, erzählt Raphael Weiß im Rückblick. „Als wir im Tal der Gemeinden unsere aus Kassel mitgebrachten Steine niederlegten, vor dem Felsblock, auf dem die im Holocaust ausgelöschten jüdischen Gemeinden eingraviert sind. Die ganze Gruppe schwieg und ging in sich. Es war ein unglaubliches Erlebnis.“ Im renommierten „Leo Baeck Institut“ hatte die Gruppe die Gelegenheit, mit dem bekannten Künstler und Auschwitz-Überlebenden Yehuda Bacon ins Gespräch zu kommen, der vom unvorstellbaren Leid in den Lagern, aber auch vom „göttlichen Funken“ der Hoffnung in der Ausweglosigkeit erzählte.

Nach der Reise berichtete die Gruppe von ihren Erfahrungen im Rahmen eines Israelabends, zu dem Eltern, Schüler und Lehrer eingeladen worden waren. Zu Fotos und einem auf der Reise entstandenen Film wurden kulinarische Spezialitäten aus Israel gereicht. Mit dem bekannten Volkslied „Shalom chaverim“ („Friede sei mit euch, Freunde!“) schlossen die Schülerinnen und Schüler ihre Präsentation ab. Für viele von ihnen steht fest, dass es für sie nicht die letzte Begegnung mit Israel gewesen ist. Vielleicht nicht gerade nächstes Jahr, aber sicher bald einmal wieder in Jerusalem.

STU