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Geheimdienst im alten Rom

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Letztes Jahr enthüllte der ehemalige US-amerikanische Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowdon die alles umfassende Spionage des amerikanischen Geheimdienstes, der NSA (National Security Agency).

In unserer neuen Ausgabe unter dem Motto „Die spinnen, die Römer“ beleuchten wir die römischen Geheimdienstaktivitäten. Schon vor den Römern benutzten viele Herrscher Spionage, doch erst im alten Rom wurde der richtige Beruf des Agenten entwickelt. Das eigentliche deutsche Wort „spionieren“ leitet sich vom lateinischen Wort „spicare“ ab. Ganze Kriege wurden durch Spionage gewonnen oder verhindert. Historiker bezeichnen die Spionage oft als zweitältestes Gewerbe der Welt.

Einer der profiliertesten Nutzer der Spionage war – wer sonst – niemand anders als Gaius Julius Cäsar. Die Legende sagt, dass er noch am Tag seines Todes von einem seiner Spitzel im Senat die Botschaft erhielt, dass er am selben Tag umgebracht werden sollte. Auch Cäsars Nachfolger Kaiser Augustus benutzte Spionage. Er soll angeblich hunderte Spione nach Actium gesendet haben, die maßstabsgetreue Zeichnungen des Ortes machten, wo er (damals noch als Octavian) seinen römischen Widersacher Marcus Antonius und dessen ägyptische Geliebte Kleopatra in der Seeschlacht von Actium besiegen sollte. Sein Spitzelnetz soll so dicht gesponnen gewesen sein, dass er jedes Detail des Privatlebens seiner Gegner in Rom gekannt haben soll.

Fazit: Auch im alten Rom gab es Spionage. Allerdings grenzt sich die moderne US-amerikanische Spionage zumindest in der körperlichen Gewalt gegen seine Mitarbeiter – hoffentlich – von dem Geheimdienst des Alten Roms ab. Denn dass die römischen Geheimdienstbosse sehr gewalttätig waren, lässt sich am folgenden Beispiel gut erkennen. Hier eine brutale, aber auch ein wenig kuriose und wirklich passierte Geschichte aus der Agentenwelt des antiken Roms, und zwar eine kleine Gebrauchsanweisung zum geheimen Übermitteln von top secret Nachrichten – vorausgesetzt, man hat Zeit: Ein römischer Feldherr ließ die Haare einer seiner Sklaven abschneiden und die geheime Nachricht darauf tätowieren. Dann ließ er die Haare des armseligen Sklaven wieder nachwachsen und schickte den Sklaven zu dem bestimmten Empfänger der Nachricht. Der wiederum ließ die Haare des Sklaven wieder abscheren und las die Nachricht. Die Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten: Der Empfänger ließ sie auf den blanken Sklaven-Schädel schreiben, nochmals die Haare nachwachsen und schickte den Sklaven zum Feldherrn. Als dieser wiederum endlich die Haare des Sklaven abgeschnitten und die Nachricht gelesen hatte, waren insgesamt sieben Monate vergangen.

Man sieht: Auch ohne Handy, Telefon und Internet kann Spionage betrieben werden. Doch zum Schluss eine kleine Anregung zum Nachdenken: Wo hättest du lieber gearbeitet: beim Geheimdienst im alten Rom oder bei der NSA???

Johann Davies, 7b