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„Erste Stunde“ – Ein Klassenzimmerstück in Kooperation mit dem Staatstheater Kassel

100_1928In den letzten Wochen wurden unsere siebten Klassen nach und nach von einem „neuen Schüler“ aufgesucht, der sich – zum ersten Mal in der neuen Klasse – sogleich von seiner besten Seite zeigte: Provokation, Schimpfwörter, Drohungen. Auf das Theaterstück vorbereitet nahmen unsere Schülerinnen und Schüler dieses absonderliche Gebaren zunächst noch mit Humor und der Schauspieler erntete aufmerksames Gelächter. Nach und nach nahm die Irritation in den Klassen jedoch zu. Welcher Schauspieler kommt in eine Klasse und wirft tatsächlich Stifte einzelner Schüler durch die Gegend?

Diese Frage ist aus der beobachtenden Lehrerperspektive einfach zu beantworten: Ein Schauspieler und Theaterpädagoge vom Staatstheater (Thomas Hof), der einen Schüler spielt, der nun bereits die dritte Schule besuchen muss, weil er auf den vorangegangenen „gemobbt“ wurde. Das Thema Mobbing stand demnach im Fokus der Aufführung, die den Klassen ungeniert vor Augen führen sollte, wann man Täter, Opfer oder (un)beteiligter Beobachter ist.

Innerhalb des Stückes erfuhren die Schülerinnen und Schüler schließlich die ganze traurig-dramatische Geschichte des „neuen Schülers“, von der sie regelrecht ein Teil wurden. So wurde aus amüsierter Zuschauerperspektive zunächst unfreiwillige Beteiligung und schließlich emotionale Betroffenheit. Im Anschluss an das ungewöhnliche Klassengeschehen ging man in einen Stuhlkreis, wo der Theaterpädagoge nun das Gespräch „auf respektvoller Augenhöhe ohne Gelächter und mit ehrlichen Antworten“ mit den Kindern suchte. Und in ein eben solches Gespräch traten die Schülerinnen und Schüler dann auch tatsächlich ein.

Aus meiner Beobachterperspektive kann ich nur sagen, dass ich heute sehr erstaunt, beeindruckt, nachdenklich und auch selbst ein wenig betroffen nach Hause gegangen bin und mich immer wieder bei Gedanken an dieses außergewöhnliche Ereignis ertappte, das für unsere siebten Klassen von unschätzbarem pädagogischen Wert sein kann.

BAR