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„Du läufst zu schnell!“ – 21-km-Halbmarathon, des Abenteuers 2. Runde

Du läufst zu schnell, das schaffen wir nicht!
Schon wieder versuche ich meinen Laufpartner Herrn Müller-Rodenhäuser etwas zu zügeln. Seit etwas mehr als 15 Minuten befinden wir uns in dem Abenteuer, ohne wirkliche Vorerfahrungen beim Kassel-Marathon 2012 den Halbmarathon zu bewältigen. Natürlich haben wir uns in den letzten Wochen vorbereitet, aber neben dem Schulalltag sind unsere Trainingsläufe nie länger als eine Stunde und nie weiter als etwa 10 km gewesen. Neuland ist also zu erkunden.
Zumindest gedanklich zusammen in einer kleinen Gruppe von Schülern, Eltern und Lehrern haben wir uns auf den Weg gemacht. Auch wenn die individuell unterschiedlichen Laufgeschwindigkeiten und das unglaubliche Gewusel vor dem Start das eigentlich zumindest in Phasen angedachte gemeinsame Laufen stark einschränkten, hat sich doch aufgrund eines zusammen absolvierten Trainingslaufes im Vorfeld des Halbmarathons so etwas wie ein Gruppengefühl eingestellt.
Kurzzeitig werden wir nach meiner Tempomahnung etwas langsamer, doch die Durchgangszeiten von knapp über 6 Minuten pro Kilometer ändern sich nicht. Immer einen halben Schritt voraus fällt „Mü-Ro“ wieder in das „bequeme“, aber recht zügige Tempo zurück. Ich genieße es, ihn etwas beobachten zu können, wie er sich trotz des Laufens unterhalten möchte und so manche Geschichte aus vergangenen Zeiten erzählt, während ich schon etwas außer Atem versuche, nicht durch zu einsilbige Antworten aufzufallen und auf eine regelmäßige Atmung zu achten. Mein Respekt für diesen Kollegen, der doch (fast) mein Vater sein könnte, steigt von Kilometer zu Kilometer.
So erreichen wir nach einer Stunde und zwei Minuten das 10 km-Schild, das uns andeutet, dass fast die Hälfte des Laufes bewältigt ist. Zum Glück gibt es bei uns noch kein Zwicken im Bein, noch kein Seitenstechen und auch die Hitze der Sonne ist zwar vorhanden, aber gut erträglich. Doch nun beginnt die Strecke, die über die erfolgreiche Zielankunft entscheidet, der Aufstieg vom Hauptfriedhof nach Kirchditmold. Eine ganze Weile laufen wir noch gemeinsam, auch wenn die Unterhaltung angesichts der Steigung ins Stocken gerät. Ich versinke mehr und mehr in die Gedanken an das letzte Jahr, als ich diesen Abschnitt der Strecke als Läufer einer Marathonstaffel bereits einmal geschafft hatte (vgl. Jahrbuch 2011). Unwillkürlich beschleunige ich wie im letzten Jahr die Schritte, merke, wie ich mehr und mehr Mitläufer überhole, und als ich mich umschaue, ist „Mü-Ro“ in der Menge der Läufer für mich nicht mehr zu sehen.
So ist – wie es zuvor verabredet worden war – die Gemeinschaft des Laufens endgültig aufgehoben und wir streben alle einzeln dem gemeinsamen Ziel entgegen. Nach der Berliner Brücke ist das „Schlimmste“ überstanden. Die letzten sieben Kilometer verläuft die Strecke fast nur noch eben oder bergab, so dass sich bereits eine halbe Stunde vor Zielankunft Sicherheit und Vorfreude über die bald vollbrachte Leistung einstellen.
Einige bekannte Gesichter in den Zuschauerreihen, die jetzt auch dichter geworden sind, motivieren zusätzlich und so strebe ich in flottem Tempo dem Auestadion entgegen, das ich nach etwas mehr als zwei Laufstunden erreiche. Auch alle anderen FG-Teilnehmer erreichen das Ziel und sind rundum mit dem „Experiment Halbmarathon“ zufrieden.
Im nächsten Jahr wollen wir versuchen, die gemeinsame Koordination noch zu verbessern. Um dies zu vereinfachen, überlegen wir, wieder als Staffeln (je etwa 10 km pro Läufer) zu starten, weil man dann den letzten Kilometer auch zu viert gemeinsam in das Stadion einläuft und das gegenseitige Finden in diesem Zielchaos wesentlich einfacher ist.
Wer also von Schülern, Eltern und Lehrer Lust hat, innerhalb der Marathonstaffeln mitzulaufen, merke sich schon mal den 12. Mai 2013 vor. Vielleicht bekommen wir ja tatsächlich 11 FG-Staffeln zusammen, quasi für jeden Marathonkilometer einen Läufer!

MEZ