Telefon: 0561 - 77 20 31

„Die Demokratie ist keine Party, zu der man eingeladen wird!“

Besuch des Zeitzeugen Dr. Horst Böttge am FG

„Dies ist ein Tatsachenbericht, kein Roman, den ich geschrieben habe.“ So begann Dr. Horst Böttge seinen Vortrag am Donnerstag, den 29.08.2019, in der Aula des Friedrichsgymnasiums. Er erzählte von sich selbst, seinem damals 16-jährigen Bruder Richard und ihrem gemeinsamen Schicksal in der DDR.

Nach einem kurzen Einblick in sein Privatleben las Dr. Böttge den Prolog aus seinem Buch mit dem Titel „Drangsaliert und dekoriert“ vor. Zunächst beschreibt er darin, wie sein Bruder nach einem Jugendstreich in der Berufsschule aufgrund angeblicher „antisowjetischer Hetze“ durch die russische Besatzungsmacht festgenommen wurde. Richard wurde deshalb zu 10 Jahren Haftstrafe verurteilt, welche letztlich durch eine Begnadigung auf drei Jahre reduziert wurde, erzählt der 83-Jährige. Dr. Böttge berichtet in seinem Werk zudem von den erbärmlichen Umständen, die sein Bruder in den verschiedenen Gefängnissen erdulden musste.

Im weiteren Verlauf sprach Dr. Böttge davon, wie er und sein Bruder angesichts der Aufstände des 17. Juni 1953 zunächst Hoffnung geschöpft hätten und wie er schließlich mit einer der letzten S-Bahnen am 12. August 1961 nach West-Berlin geflüchtet sei. Auf unsere Fragen hatte Dr. Böttge zum Teil bemerkenswerte Antworten: „Die Demokratie ist keine Party, zu der man eingeladen wird. Jede Generation muss für ihre Gesetze sorgen“. Im Verlauf des Vortrags betonte er mehrfach: „Die DDR war eine Diktatur.“

Dr. Böttges Präsentation endete mit den eindringlichen Worten: „Freiheit ist zwar nicht alles im Leben, ohne Freiheit ist aber alles andere nichts.“ Schüler und Lehrer bedankten sich am Ende der Veranstaltung mit viel Applaus.

von Süheda Gül, Annika Lange und Livethiha Kirupakaran, Klasse 10c