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Die Nuller von Kassel – Friedrichsgymnasium liegt mit dem Abischnitt 2,13 unter Kassels Schulen vorn

KASSEL. Die Gemeinschaft, das gute Gefühl, FG-Schüler zu sein, ist ihnen extrem wichtig. Das hört man im Gespräch immer wieder heraus. „Nicht nur wir – alle haben ein gutes Abitur abgelegt“, betont Jonas Vaupel. Alle seien irgendwie mit allen befreundet. Wir haben uns gestern vor der feierlichen Zeugnisübergabe mit Jonas und seinen Freunden Raphael Weiß und Kieran Meinhardt (beide 18) getroffen, weil das Trio zu den fünf Schülern am Friedrichsgymnasium zählt, die ihr Abitur mit 1,0 gemacht haben. Genau haben die drei sogar einen Notenschnitt unter der Bestnote: Jonas und Raphael kommen auf 0,9 und Kieran auf 0,7. Das liegt daran, dass sie häufig 15 Punkte, also eine 1+ als Note haben und somit rein rechnerisch besser als „sehr gut“ sind. Jetzt haben sie große Pläne. Gleichzeitig beschleicht sie Wehmut. Traurig, die Schule zu verlassen? „Ja, klar“. Kieran aus Niestetal zögert nicht eine Sekunde. „Neue Freunde zu finden, die meine Latein- Wortwitze verstehen, dürfte nicht so einfach werden.“ Was andere eher abschreckt, war für Kieran, Raphael und Jonas ein uneingeschränktes Kriterium, um das FG zur ersten Schulwahl zu machen: der altsprachliche Schwerpunkt mit Latein als erster Fremdsprache und Griechisch. Latein, Griechisch und Mathe waren auch Kierans Leistungskurse (LK). Sein Plan ist es, jetzt in Berlin Informatik studieren. Vielleicht könnten ihm auch Sprachwissenschaften gefallen. Er will sich die Freiheit nehmen, erst mal reinzuschnuppern ins Studium. Auf jeden Fall will er sich mit seinen Leidenschaften, dem Programmieren und Gedichte schreiben, intensiver befassen. In der Metropole Berlin hofft er nun, Menschen mit gleichen Interessen zu begegnen. Auch Jonas Vaupel (19) aus Edermünde-Grifte hat sein Abi mit den LK Latein und Geschichte bravourös abgelegt. Er möchte an einer Privat-Uni in Hamburg Jura studieren. Den eloquenten Raphael Weiß (18) aus Fuldabrück-Dennhausen (LK Latein und Geschichte) zieht es in die Ferne. Ein Jahr für den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Uganda liegt vor ihm. Danach könne er sich ebenfalls ein Jura-Studium vorstellen, so Raphael, der gerne Trompete und Handball spielt. „Vielleicht treffe ich ja Jonas im Studium wieder, das wäre schön.“ Mit Jonas war er als Mitglied der Geschichtswekstatt (in der auch Kieran mitgearbeit hat) im vergangenen Jahr nach Berlin eingeladen, wo beide ebenso wie Schüler ihrer Partnerschule aus dem sibirischen Novyi Urengoj zum Volkstrauertag im Bundestag reden durften. „Das war etwas ganz Besonderes“, sagt Raphael. Und was ist nun mit Latein? „Das ist keine tote Sprache“, sind sie sich einig. Das waren doch Menschen, die sich in ihr verständigt haben“, sagt Kieran. Und Jonas fügt an: „Unsere Kultur wurde von Rom und dem Lateinischen geprägt.“ Raphael interessiert sich für historische Beziehungen, „da kommt man an Latein nicht vorbei“. Und ja: Latein sei spannend. Allerdings plädieren die FG-Schüler für eine Reformierung des Fachs: Latein sollte im Unterricht auch gesprochen werden. Das sei besser, als Deklinationstabellen auswendig zu lernen.

Quelle: HNA vom 16.06.2018

Autorin: Christina Hein