Telefon: 0561 - 77 20 31

Bei Goethe und Schiller privat – Weimarfahrt der Jahrgangsstufe Q1

Am 24. Januar war es wieder einmal so weit. Wie jedes Jahr fährt die Jahrgangsstufe Q1/2 nach Weimar, mit der Besonderheit, dass es sich dieses Mal um den sogenannten Doppeljahrgang (11 und 12) handelte. Aufgrund der doppelten Anzahl an Schülern (circa 180) und der damit verbundenen Unterbringungsprobleme wurde die bisher zweitägige Fahrt, bei welcher an einem Tag die Stadt Weimar und am anderen das Konzentrationslager Buchenwald besichtigt wurden, auf zwei Termine aufgeteilt.
Nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt erreichten die insgesamt acht Deutschkurse das winterliche Weimar. Aufgrund der Gruppengröße unterschieden sich die nun folgenden Aktivitäten zwischen den Kursen, das Grundmuster blieb jedoch jeweils gleich:
Jeder Kurs erhielt eine circa zweistündige Führung durch Weimar, bei welcher die Sehenswürdigkeiten der Altstadt sowie die Geschichten verschiedener Personen und Gebäude erzählt wurden. Beginnend am Busparkplatz, an welchem wir ankamen, gingen wir zunächst zur Jakobskirche mit ihrem berühmten Friedhof.
Der Friedhof dieses vor der Stadtmauer gelegenen Baus war die Ruhestätte Friedrich Schillers und von Christiane Vulpius, welche seit 1806 Goethes Ehefrau war. Dank der geringen Einwohnerzahl Weimars im frühen 19. Jahrhundert – gerade einmal 6.000 Menschen – waren die diversen Sehenswürdigkeiten der Altstadt gut fußläufig zu erreichen. Das Theater mit dem davor befindlichen, geschichtsträchtigen Goethe-Schiller-Denkmal zählte ebenso zu den auch überregional bekannten Orten, wie die Anna-Amalia-Bibliothek mit ihren über 1 Millionen Büchern.
Darüber hinaus stellten jedoch auch der historische Marktplatz mit dem mehrfach abgebrannten Rathaus sowie die Residenz der Kurfürsten, welche ebenfalls mehrfach dieses Schicksal erlitt, Eckpunkte der Führung dar. Trotz unangenehm niedriger Temperaturen sowie zeitweiligen Schneefalls gehörten auch das Gartenhaus Goethes sowie sein Wohnhaus zum „Pflichtprogamm“ einer Stadtführung durch Weimar. Die Führung endete dann wieder im Stadtkern, an Schillers Wohnhaus.
Der zweite Programmpunkt, welchen jeder Kurs absolvierte, war der Besuch eines der beiden Wohnhäuser der großen Weimarer Dichter Schiller und Goethe. Beide Gebäude stellen auf ihre Weise etwas Besonderes dar und sind mit circa 500 Quadratmetern wohl bemessen. Das Goethehaus besitzt viele kleine Räume mit jeweils eigenen Farben, die unterschiedliche Empfindungen ausdrücken sollen. Neben Goethes „Privatmuseum“, in welchem er sowohl antike als auch zeitgenössische Kunst sammelte, waren auch die Gemächer Goethes und jene seiner Frau zu besichtigen. In seinem Schlafzimmer, welches neben seinem Arbeitszimmer sowie seiner Privatbibliothek von 7.000 Büchern gelegen ist, war als krönender Abschluss der Führung auch jener Sessel zu sehen, in welchem er direkt vor seinem Tod die bekannten Worte „Mehr Licht“ gesprochen haben soll.
Das ungleich schlichtere Schiller-Haus hingegen ist weitaus mehr zum Museum umgebaut worden. Zahlreiche Handschriften sowie Rechnungen bzw. Rechnungsbelege jener Zeit ließen den Betrachter eintauchen in das wohlhabende und dennoch nicht gerade hygienische Leben jener Zeit, da weder der Herzog noch Goethe oder Schiller ein Badezimmer besaßen. Dafür blieb mehr Platz übrig für Salons, Kinderzimmer (Schiller hatte insgesamt vier Kinder) sowie das großzügige und nahezu original erhaltene Arbeitszimmer Schillers, in welchem sich auch sein Sterbebett befindet.
Zwischen den beiden Veranstaltungen blieb dann noch genug Zeit, um sich vor der Kälte des Winters in ein Café zurückzuziehen, in einem Restaurant für sein leibliches Wohl zu sorgen, shoppen zu gehen oder aber die zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel die Anna-Amalia-Bibliothek oder das Bauhausmuseum, zu besichtigen.
Nach diesem langen und überaus anstrengenden und vielseitigen Tag, bei welchem man viele Eindrücke ins Leben des 19. Jahrhunderts erlangen konnte, erreichten wir abends – nun auch ziemlich erschöpft – wieder das heimische Kassel.

Matthias Ehmer, Jahrgangsstufe Q1