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Einweihung des Mobiles zum Butterfly-Projekt

„Einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen“

Mit diesem Zitat von Pavel Friedmann * aus dem Gedicht „Der Schmetterling“ hat Frau Edith Erbrich bei der Eröffnung unseres Mobiles eine Brücke zwischen unserem Projekt und den im Konzentrationslager Theresienstadt internierten Kindern geschlagen und somit die Bedeutung der Schmetterlinge in unserem Mobile sehr anschaulich werden lassen.

Am 20. August haben wir unseren Beitrag zum Butterfly Project eingeweiht.

Die Jahrgänge 8-Q3 haben an einer Veranstaltung im Foyer unserer Schule teilgenommen. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde ein Mobile aus ca. 350 Keramikschmetterlingen offiziell vorgestellt. Wir haben die Zeitzeugin Frau Edith Erbrich eingeladen, die die Erklärungstafel mit unserem Teilnahmezertifikat enthüllt und das Mobile um drei weitere Schmetterlinge ergänzt hat. Frau Erbrich wurde als sechsjähriges Kind mit ihrem Vater und ihrer Schwester in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.

Nach der Präsentation des Mobiles berichtete sie über ihre Kindheit in Frankfurt am Main während der Kriegsjahre und über ihr Schicksal in Theresienstadt. Im Anschluss hatten unsere Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit Fragen zu stellen. Frau Erbrich hat all diese Fragen sehr ernsthaft und authentisch beantwortet, und man konnte spüren, wie aufmerksam, interessiert und betroffen unsere Schülerinnen und Schüler waren.

Das Mobile im Treppenhaus steht für Erinnerung, Toleranz und Mitgefühl – gleichzeitig aber auch gegen Ausgrenzung, Rassismus und Mobbing. Diese Botschaft hat Frau Erbrich voll und ganz unterstützt und unsere Schülerinnen und Schüler deutlich aufgefordert, hinzuschauen und sich gegen aufkeimenden Antisemitismus und Intoleranz zu stellen und zu wehren.

Die Atmosphäre während der Veranstaltung war von großem Respekt und Anteilnahme am Schicksal unserer Zeitzeugin geprägt. Während des Vortrages und auch im Rahmen der Fragerunde herrschte ein spürbares Interesse und eine Ruhe und Aufmerksamkeit, die für Schülerinnen und Schüler nicht immer selbstverständlich ist. Frau Erbrich hat sich im Anschluss an unsere Veranstaltung sehr erfreut und beeindruckt gezeigt über unsere Schülerschaft und über den Dank einiger am Ende der Veranstaltung. Die Möglichkeit mit den Schülerinnen und Schülern zu sprechen, ihnen dabei in die Augen sehen zu können und deren Emotionen zu spüren, sei für sie der größte Dank.

Ich persönlich möchte mich bei allen, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben, herzlich bedanken. Die Technik-AG hat professionell agiert, die Schulleitung war anwesend und hat das gesamte Projekt engagiert unterstützt. Danke auch für die Freistellung der Jahrgänge 8-Q3. Ohne die lebendige Teilhabe der Schülerinnen und Schüler wäre die Präsentation undenkbar langweilig gewesen.

Last but not least möchte ich meinem Kollegen Herrn Mallm für seine Unterstützung und den Kontakt zu unserer Zeitzeugin und den beteiligten Geschichtskollegen Herrn Siebert, Herrn Lange und Herrn Peter danken, dass sie Raum für die Beschäftigung mit den Biografien der jüdischen Kinder in ihrem Unterricht geschaffen haben, auch wenn das Thema „Holocaust“ in Klasse 7 eigentlich noch nicht unbedingt auf dem Lehrplan steht.

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass alle Anwesenden beeindruckt waren, dass hoffentlich viele eine bleibende Erinnerung daran haben und dass es wichtig ist, auch oder gerade heutzutage an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu erinnern, damit es sich nicht wiederholen möge.

Dafür steht unser Mobile!

 

Antje Skerra-Funke, August 2019

*Pavel Friedmann war als Jugendlicher selbst in Theresienstadt interniert und hat dort das Gedicht geschrieben.

Pavel Friedman: Der Schmetterling. Aus: Theresienstadt, Rada židovských náboženských obcí zemi České a Moravskoslezské, František Ehrmann, Ota Heitlinger, Europa-Verlag, 1968.

 

HNA-Bericht:

Schmetterlinge als Mahnung

Friedrichsgymnasium erinnert an von Nazis getötete Kinder

Kassel – Mehr als sechs Millionen Menschen, vor allem Juden, wurden von den Nazis in Vernichtungslagern umgebracht. Darunter waren auch mehr als 1,1 Millionen Kinder, die allein in Auschwitz ermordet wurden. An die jüngsten jüdischen Opfer des „Dritten Reichs“ haben nun Siebtklässler des Friedrichsgymnasiums mit einer bewegenden Aktion erinnert. Sie fertigten Schmetterlinge aus Ton und fügten sie im Foyer und Treppenhaus der Schule zu einem Mobile zusammen. Bei der Präsentation des Projekts machte nun die Zeitzeugin Edith Erbrich, die das Kriegsende selbst als Kind im KZ erlebt hatte, das Grauen von damals vor 500 sichtlich betroffenen und bewegten Schülern der Mittel- und Oberstufe hautnah erlebbar. Die Lehrerin Antje Skerra war durch einen Fernsehbericht auf das internationale „Butterfly Project“ (Schmetterlingsprojekt) aufmerksam geworden, mit dem in vielen Ländern an die Leiden und das Sterben jüdischer Kinder erinnert wird, die statt wie ihre Altersgenossen in den Kindergarten oder die Schule zu gehen, unter den menschenunwürdigsten Bedingungen in Konzentrationslagern vegetierten. Viele von ihnen wurden in den Todeslagern der Nazis umgebracht. „Wir wollen das Bewusstsein schaffen, dass so etwas nie wieder passieren darf“, sagte Skerra. Das Friedrichsgymnasium sei erst die zweite Schule in Deutschland, die sich an dem Projekt beteiligt habe, berichtete die Lehrerin. Sie gewann die Kasseler Keramikerin Uschi Vortisch für dieses Projekt. In deren Werkstatt wurden die Schmetterlinge aus Ton geformt und gebrannt. Die Kinder bemalten sie im Kunstunterricht. Jeder Schmetterling stellt den Bezug zu einem getöteten Kind her, mit deren Biografie sich die Schüler im Geschichtsunterricht beschäftigten. Nur mit viel Glück überlebte Edith Erbrich das KZ. Skerra hatte die 1937 im Frankfurter Ostend geborene Tochter eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter als Schirmherrin des Schmetterlingsprojekts gewonnen. Die heute 82-Jährige schilderte den FG-Schülern eindringlich, wie schon bald nach der Machtübernahme der Nazis die Ausgrenzung der Frankfurter Juden begann. Sie berichtete von den Bombennächten, die ihre Familie im Keller statt im Bunker verbringen mussten, wo Juden der Zutritt verboten war. Sie wurde mit Vater und Schwester im Februar 1945 im Viehwaggon ins KZ Theresienstadt deportiert. Von dort sollten sie ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau geschafft werden. Diesem Schicksal entging Erbrich, weil die Alliierten dieses Lager ein paar Tage zuvor befreit hatten.

Quelle: HNA vom 23.08.2019, Autor: Peter Dilling